Mit sinkendem zeitlichen Abstand zum Klausurtermin steigt üblicherweise das Aufkommen an inhaltlichen und formalen Fragen zur Klausur. Damit auch die schweigende Mehrheit der emsig Vorbereitenden von den Fragen ihrer KommilitonInnen und natürlich besonders den Antworten profitieren kann, werden hier die Fragen und Antworten zur Klausur anonymisiert wiedergegeben.
Wir hoffen, dass dadurch auch Ihr Fragezeichenraum kleiner wird und wünschen weiterhin viel Erfolg bei der Prüfungsvorbereitung.
Frage: Ist es möglich, zwischen dem Forschungsmethodenteil und dem Statistikteil frei hin und her zu schalten, oder müssen wir uns für einen Teil entscheiden, diesen dann zu Ende bearbeiten und können erst im Anschluss den anderen Teil aufrufen?
Antwort: Der Forschungsmethodenteil ist am Stück zu absolvieren, da das ILIAS System den Benutzer nach einer Phase von etwa 15 min. Inaktivität automatisch abmeldet. Mit dieser Abmeldung verschwinden alle Antworten und der Teil muss neu begonnen werden. Während es also möglich ist, den Statistikteil zugunsten der Forschungsmethoden zu unterbrechen (Excel ist geduldig), muss der Forschungsmethodenteil aus technischen Gründen ohne Unterbrechung bearbeitet werden. Zwischen dem SPSS Teil und dem Statistikteil kann frei hin- und hergewechselt werden.
Frage: Sind die drei beidseitigen beschrifteten DIN A4 Zettel, die zur Prüfung mitgebracht werden dürfen, jeweils für Statistik I & II (also insgesamt sechs Zettel) oder für beide Teile zu verstehen?
Antwort: Es dürfen drei Zettel pro Klausurteil (also Stati 1 + FoMe oder Stati I + SPSS oder ...) mitgenommen werden. Studierende, die beide Teile mitschreiben, können und werden nicht daran gehindert werden, in der Pause die ersten drei Zettel zu entfernen und andere drei Zettel auszupacken. Pro Klausurteil jedoch dürfen sich nur dieselben drei Zettel auf dem Tisch befinden.
Bitte beachten Sie zudem, dass keinerlei Inhalte für den Forschungsmethodenteil auf den Zetteln enthalten sein dürfen.
Frage: Manche Aufgabenlösungen, z.B. zur bedingten Wahrscheinlichkeit, fallen mir leichter, wenn ich etwas aufzeichnen kann. Darf ich leere Blätter mitbringen?
Antwort: Nein, es darf kein eigenes Schreibpapier mitgebracht werden. Es wird aber während der Klausur Papier gestellt, auf dem Notizen, Zeichnungen und Berechnungen gemacht werden können.
Frage: Darf ich einen Taschenrechner mitbringen?
Antwort: Ja, und der heißt Excel. Alles übrige: nein.
Frage: Haben wir armen ausländischen Studenten die Möglichkeit, uns länger mit der Klausur zu quälen?
Antwort: Ja, eine Schreibzeitverlängerung ist möglich. Sie muss aber rechtzeitig beim Prüfungsamt beantragt werden, damit das Anliegen geprüft und die notwendigen organisatorischen Rahmenbedingungen geschaffen werden können.
Frage: Nach anleitungsgetreuem Herunterladen der AppV Version des Officepaketes 2010 ergibt sich folgendes Problem: Öffnet man die Aufgabenzettel nun mit Excel 2010v, so erscheint "Datei ist beschädigt".
Antwort: Das Problem ist bekannt und wird in der Klausur nicht auftreten. Es entsteht, wenn Dateien mit der Desktop Version von Excel 2010 gespeichert und diese dann mit der AppV Version Excel 2010v geöffnet werden sollen. Für die Klausur wird das Problem nicht bestehen.
Sollen die aktuellen Wochenaufgaben mit der 2010v geöffnet werden, kann wie folgt vorgegangen werden: Die Datei muss einmal mit der 2007er Version geöffnet und dann einfach wieder abgespeichert werden. Jetzt lässt sie sich mit der Version 2010v öffnen.
Frage: Im PC Pool des Instituts habe ich Excel 2010 und auch Excel 2010v zur Verfügung stehen. Gilt das dann auch für den ZDV Klausurraum?
Antwort: Nicht zwangsläufig, der PC Pool des Psychologischen Institutes unterscheidet sich deutlich von den zentralen Räumen des ZDV. Im ZDV Klausurraum steht Excel 2010v nur dann zur Verfügung, wenn es zuvor wie hier beschrieben (http://www.zdv.uni-mainz.de/4157.php) aktiviert wurde. Um zu überprüfen, ob die Aktivierung erfolgreich war, ist daher der Test im PC Pool des Psychologischen Instituts nicht verlässlich.
Eine zuverlässige Prüfung ist aber sowohl von zuhause oder aus der Universität möglich. Wenn Excel 2010v a) entweder über die Remotedesktopverbindung oder b) direkt in einem der ZDV Klausurräume benutzbar ist, wird es auch am Klausurtag verfügbar sein.
Frage: Bei mir kam Verwirrung auf, was die rm-ANOVA angeht. Auf welche Tabellen muss ich in der Ausgabe (bei der Interpretation) achten? Vor allem ist mir der Unterschied zwischen "Zwischensubjektfaktoren" und "Innersubjektfaktoren" nicht ganz klar.
Antwort (länger): Die Verwirrung ist ganz unberechtigt. Zunächst gilt es die Nomenklatur von SPSS mit unserer Benennung aus der Statistikvorlesung zu verbinden. Man merke sich:
Im Rahmen der ANOVA ist der Begriff der Messwiederholung nun sehr viel weiter gefasst als im üblichen Sprachgebrauch. Von einer Messwiederholung sprechen wir immer dann, wenn wir in einem Experiment zu mehreren Zeitpunkten die Ausprägung einer abhängigen Variablen (AV) bei den Versuchspersonen feststellen.
Hier ist von essentieller Bedeutung, was mit der Formulierung "eine AV" gemeint ist - genau darin nämlich liegt der Grund für den zuweilen unklaren Gebrauch des Begriffs der Messwiederholung. Einige Beispiele:
(1) Es wird zu vier Messzeitpunkten während einer Therapie der Depressionsgrad einer Person mithilfe des BDI (Beck Depression Inventory) erhoben.
Dies ist der klassische Fall der Messwiederholung. Exakt dieselbe Zufallsvariable wird mit demselben Messinstrument zu mehreren Messzeitpunkten erhoben. Es gibt einen Messwiederholungsfaktor "Zeitpunkt" mit 4 Stufen (Faktor T mit t1, t2, t3 und t4)
(2) Die Mathematikleistung von Schülern wird vor und nach einem Intensivnachhilfekurs mithilfe eines Mathematiktests erhoben. Damit es keine Erinnerungseffekte gibt, wird mit parallelen Testversionen gearbeitet, die zwar inhaltlich vergleichbar sind, jedoch nicht dieselben Aufgaben enthalten.
Hier entfernen wir uns bereits ein wenig vom klassischen Fall der Messwiederholung. Exakt dieselbe Zufallsvariable wird mit verschiedenen Messinstrumenten zu mehreren Messzeitpunkten erhoben. Damit wir hier eine rmANOVA sinnvoll anwenden dürfen, muss gesichert sein, dass die beiden Testversionen wirklich gleichwertig in Inhalt und Schwierigkeit sind. Ansonsten würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. Es gibt einen Messwiederholungsfaktor "Zeitpunkt" mit 2 Stufen (Faktor T mit t1 und t2).
(3) Situationaler Stress wird mithilfe eines Fragebogens erhoben, der Stress in den drei verschiedenen Kontexten Beruf, Familie und Freunde misst. Die Skala der Fragen ist dabei identisch, auch die Fragen sind analog formuliert, nur eben mit einem anderen Bezugskontext, z.B. "Mein Beruf stellt oft zu hohe Erwartungen an mich" vs. "Meine Familie stellt oft zu hohe Erwartungen an mich" vs. "Meine Freunde stellen oft zu hohe Erwartungen an mich".
Auch hier gibt es Messwiederholungen, aber nicht im klassischen Sinne. Es werden bei derselben Person mehrere Zufallsvariablen zur gleichen Zeit erhoben. Diese Zufallsvariablen jedoch sind sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der Messskala vergleichbar und lassen sich deshalb als Ausprägungen desselben Faktors auffassen. Es gibt einen Messwiederholungsfaktor "Stress" mit 3 Stufen (Faktor S mit s1, s2 und s3).
(4) Wir verknüpfen nun die Beispiele (1) und (3). Gestresste Personen absolvieren ein Stressbewältigungstraining. Sowohl vor als auch nach dem Training wird das Stressniveau mithilfe des Fragebogens aus (3) erhoben.
Hier haben wir es mit zwei Messwiederholungsfaktoren zu tun. Es gibt einen Messwiederholungsfaktor "Zeitpunkt" mit 2 Stufen (Faktor T mit t1 und t2) und einen Messwiederholungsfaktor "Stress" mit 3 Stufen (Faktor S mit s1, s2 und s3). Von jeder Person liegt nun eine Messung in jeder Kombination von SxT vor. Man sieht sofort, dass dies die direkte Übertragung der zweifaktoriellen unabhängigen ANOVA auf den abhängigen Fall ist. Inhaltlich liegt aber kein Unterschied vor, nur stammen unsere Daten nicht von verschiedenen, sondern von denselben Personen.
(5) Wir messen an einer Gruppe von Kindern aus Problemfamilien den Körperfettanteil, das Körpergewicht und die Körpergröße.
Dies ist kein Messwiederholungsdesign. Wir messen weder dieselbe Zufallsvariable zu mehreren Messzeitpunkten, noch messen wir inhaltlich zusammengehörige Zufallsvariablen auf demselben Skalenniveau. Wir haben drei Faktoren, jeder davon mit nur einer Stufe und auf völlig verschiedenen Messskalen. Unterschiede zwischen Mittelwerten, z.B. Körperfett vs. Körpergewicht, wären bedeutungsfrei. Es wäre eine so genannte multivariate Analyse erforderlich, die erst später im Studienverlauf eingeführt wird.
Die Antwort auf die Frage nun steckt bereits in der Erklärung zu Beispiel (4). Bei der Interpretation einer ANOVA gibt es praktisch keinen Unterschied zwischen "Innersubjektfaktoren" (Messwiederholungsfaktoren) und "Zwischensubjektfaktoren" (Gruppenfaktoren). In beiden Fällen haben wir einen Faktor mit mehreren Stufen und wir fragen, ob es irgendwo zwischen den Mittelwerten dieser Stufen Unterschiede gibt. Auch die Interpretation von Interaktionen ist in beiden Fällen identisch.
Deshalb empfehle ich bei Verständnisproblemen mit dem SPSS Output der ANOVA, die beiden Tabellen für Innersubjektfaktoren und Zwischensubjektfaktoren als eine gemeinsam Tabelle aufzufassen. Streicht man aus der Innersubjekttabelle alle Zeilen bis auf die Greenhouse-Geisser Zeilen heraus, sehen die Tabellen sogar praktisch gleich aus. Dann kann man im ersten Schritt alle Haupteffekte und Interaktionen so interpretieren, als wären es unabhängige Faktoren, also Daten aus verschiedenen Gruppen. Diese Interpretation ist bereits weitgehend richtig. Damit sie ganz richtig wird, muss lediglich ein einziger Aspekt verändert werden, der aber an der Grundaussage nichts mehr ändert: Überall dort, wo für einen Messwiederholungsfaktor formuliert wurde "Die Gruppen X und Y unterscheiden sich", ist diese Formulierung zu ersetzen durch "Bei den Personen unterscheiden sich die Werte für X und Y".